Tiere · ab 5 Jahren · 7 Minuten

Bruno Bär und die große Mutprobe

Eine Gute-Nacht-Geschichte über Mut, Freundschaft und ein kleines bisschen Schummeln

Bruno war ein kleiner Bär.

Und Bruno wollte unbedingt mutig sein.

Sehr mutig.

So mutig wie sein großer Bruder Ben.

Ben konnte über umgefallene Baumstämme balancieren.

Ben konnte in den tiefen Teich springen.

Und Ben traute sich sogar, nachts allein zum Beerenbusch zu gehen.

„Ich bin auch mutig“, sagte Bruno.

„Natürlich“, sagte seine Freundin Lilli, das Eichhörnchen.

„Dann mach mit bei der großen Mutprobe!“, sagte Ben.

Bruno schluckte.

Die große Mutprobe fand jedes Jahr auf der Waldwiese statt.

Man musste drei Aufgaben schaffen.

Die erste Aufgabe war:

Über den Baumstamm laufen.

Bruno setzte eine Pfote auf den Stamm.

Wackel.

„Oh!“

Er setzte die zweite Pfote darauf.

Wackel.

Dann machte es:

„Plumps!“

Bruno lag im Moos.

Alle lachten.

Bruno stand auf.

„Das war Absicht.“

Lilli grinste.

„Natürlich.“

Die zweite Aufgabe war:

Über den kleinen Bach springen.

Bruno nahm Anlauf.

Er sprang.

Und landete mitten im Wasser.

„Platsch!“

Alle lachten wieder.

Bruno kam tropfnass heraus.

„Das war auch Absicht.“

Lilli lachte.

„Natürlich.“

Jetzt kam die dritte Aufgabe.

Sie war die schwierigste.

Man musste durch den dunklen Wald bis zum alten Baum gehen und dort eine kleine Laterne holen.

Bruno sah in den Wald.

Dort war es wirklich dunkel.

„Vielleicht...“, sagte Bruno, „mache ich die Aufgabe morgen.“

Ben sagte:

„Du musst nicht.“

Bruno sah ihn an.

„Was?“

„Du musst nicht mutig sein, nur weil andere zuschauen.“

Bruno dachte darüber nach.

Dann nahm er die kleine Laterne.

„Ich versuche es.“

Lilli ging neben ihm.

Schritt für Schritt gingen sie in den Wald.

Es war dunkel.

Ein Ast knackte.

Knack!

Bruno blieb stehen.

„Was war das?“

„Bestimmt nur ein Ast“, sagte Lilli.

Sie gingen weiter.

Rascheln!

Bruno zuckte zusammen.

Aus dem Busch kam ein kleiner Igel.

„Hallo“, sagte der Igel.

Bruno atmete erleichtert auf.

„Du hast mich erschreckt!“

Der Igel sah ihn an.

„Entschuldigung.“

Bruno musste lachen.

Sie gingen weiter.

Bald erreichten sie den alten Baum.

Dort hing die Laterne.

Bruno nahm sie.

Und plötzlich war der Weg zurück gar nicht mehr so dunkel.

Als Bruno wieder auf der Waldwiese ankam, jubelten alle.

Ben klopfte ihm auf die Schulter.

„Du warst mutig.“

Bruno lächelte.

„Ich hatte Angst.“

„Ich weiß“, sagte Ben.

„Und du bist trotzdem gegangen.“

Bruno dachte an die beiden ersten Aufgaben.

Über den Baumstamm war er gefallen.

Beim Bach war er ins Wasser geplumpst.

Und trotzdem hatte er nicht aufgegeben.

Vielleicht war Mut gar nicht:

Keine Angst zu haben.

Vielleicht war Mut:

Angst zu haben und es trotzdem zu versuchen.

Am Abend lag Bruno in seinem Bett.

Seine Decke war warm.

Sein Zimmer war ruhig.

Draußen leuchtete der Mond.

Bruno kuschelte sich ein.

„Morgen“, murmelte er, „mache ich vielleicht noch eine Mutprobe.“

Lilli, die auf dem Fensterbrett saß, rief:

„Aber bitte eine ohne Wasser!“

Bruno musste lachen.

Dann schloss er die Augen.

Und kurz darauf schlief der mutige kleine Bär tief und fest.

Gute Nacht, Bruno.

Gute Nacht.

Kleine Frage zum Einschlafen

Was würdest du gerne ausprobieren, auch wenn es ein bisschen schwierig ist?

Alle Geschichten