Einhörner · ab 6 Jahren · 8 Minuten

Das Einhorn, das seinen Mut verlor

Arin galt im Einhorntal als besonders mutig. Er war der Erste auf hohen Felsen, der Schnellste durch den Bach und derjenige, der bei Gewitter immer sagte: „Ist…

Arin galt im Einhorntal als besonders mutig. Er war der Erste auf hohen Felsen, der Schnellste durch den Bach und derjenige, der bei Gewitter immer sagte: „Ist doch nur Donner.“

Doch eines Tages rutschte Arin auf einem nassen Stein aus und fiel in den flachen Fluss. Er verletzte sich nicht, aber seitdem bekam er jedes Mal Herzklopfen, wenn er Wasser rauschen hörte.

Arin erzählte niemandem davon. Als die Freunde zu einem Wasserfall-Ausflug aufbrachen, erfand er Ausreden. Schließlich bemerkte Luna, dass etwas nicht stimmte.

„Ich glaube, mein Mut ist weg“, gab Arin zu. Luna antwortete nicht mit einem großen Spruch. Sie setzte sich einfach neben ihn. „Dann suchen wir ihn nicht am Wasserfall. Wir fangen am kleinen Bach an.“

Am nächsten Tag stand Arin vor einer Pfütze. Er lachte zuerst über die Idee. Dann ging er hindurch. Am Tag darauf überquerte er einen sehr schmalen Bach. Später setzte er sich nur neben den Fluss und hörte zu.

Es dauerte viele Tage. Niemand drängte ihn. Irgendwann stand Arin wieder an der Stelle, an der er ausgerutscht war. Sein Herz klopfte. Er ging nicht ins Wasser. Er blieb einfach dort stehen und atmete.

„Reicht das?“, fragte er. Luna nickte. „Heute schon.“ Zwei Wochen später überquerte Arin den Fluss über eine sichere Brücke. Er jubelte nicht. Er lächelte nur.

Abends verstand Arin etwas: Mut war kein Gegenstand, den man verlieren konnte. Manchmal wurde er nur leiser. Und manchmal brauchte er Zeit, bis man ihn wieder hören konnte.

Gute Nacht.

Kleine Frage zum Einschlafen

Was hilft dir, wenn du dich etwas noch nicht wieder traust?

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