Tiere · ab 6 Jahren · 9 Minuten
Die Nacht, in der alle Zauber verschwanden
Im Reich Funkelforst war Magie überall. Besen flogen, Teekannen schenkten sich selbst ein und Türen öffneten sich, wenn man freundlich „Bitte“ sagte.
Im Reich Funkelforst war Magie überall. Besen flogen, Teekannen schenkten sich selbst ein und Türen öffneten sich, wenn man freundlich „Bitte“ sagte.
Eines Morgens funktionierte gar nichts mehr. Zauberstäbe blieben dunkel. Fliegende Teppiche lagen auf dem Boden. Selbst die königliche Uhr hatte vergessen zu ticken.
Die junge Hexe Yara wurde in den Palast gerufen. „Finde die Magie“, befahl der König. Yara nahm ihren Zauberstab – und steckte ihn wieder ein. Er war schließlich genauso nutzlos wie alle anderen.
Sie ging durch das Reich. In der Bäckerei kneteten Menschen den Teig plötzlich mit den Händen. Auf dem Feld zogen Nachbarn gemeinsam einen Wagen. Kinder öffneten die schwere Schultür füreinander.
Yara bemerkte: Ohne Magie war vieles langsamer, aber überall halfen sich die Menschen mehr. Schließlich fand sie unter dem alten Glockenturm einen erschöpften kleinen Lichtgeist.
„Ich trage die Zauber durch das Reich“, erklärte er. „Aber alle haben immer mehr verlangt. Noch schneller, noch größer, noch bequemer. Ich konnte nicht mehr.“
Yara brachte den Lichtgeist nicht sofort zurück an die Arbeit. Sie brachte ihm Suppe, eine Decke und Ruhe. Dann erzählte sie dem König, warum die Magie verschwunden war.
Der König ließ verkünden, dass manche Dinge künftig wieder mit der Hand gemacht würden. Magie sollte helfen, nicht alles übernehmen. Als der Lichtgeist sich erholt hatte, kehrten die Zauber langsam zurück.
Am Abend zündete Yara ihre Lampe trotzdem mit einem Streichholz an. Sie gefiel ihr so. Dann legte sie sich ins Bett und dachte, dass man manchmal erst merkt, was man selbst kann, wenn der Zauberstab schweigt.
Gute Nacht.
Kleine Frage zum Einschlafen
Welche Sache würdest du gerne einmal ganz ohne Zauberei schaffen?