Feen · ab 5 Jahren · 7 Minuten

Mira, die Fee, die nicht zaubern konnte

Eine Gute-Nacht-Geschichte über Mut, Freundschaft und eine ganz besondere Stärke

Im Herzen eines riesigen Waldes lag das Feenreich Glimmerhain.

Dort lebten kleine Feen mit schimmernden Flügeln und funkelnden Zauberstäben.

Und dort lebte Mira.

Mira hatte wunderschöne Flügel.

Sie waren blau wie ein klarer Sommerhimmel und glitzerten im Mondlicht.

Nur eines fehlte ihr.

Mira konnte nicht zaubern.

Zumindest nicht so wie die anderen Feen.

In der Zauberschule übten die Feenkinder jeden Morgen.

„Blume, Blume, blüh!“

Plopp!

Eine kleine Blume erschien.

„Licht, Licht, schein!“

Funk!

Eine ganze Wolke aus Glühwürmchen leuchtete auf.

Mira hob ihren Zauberstab.

„Blume, Blume, blüh!“

Nichts.

Sie versuchte es noch einmal.

„Blume, Blume, blüh!“

Wieder nichts.

Nur ein kleiner Grashalm wackelte.

Mira seufzte.

„Vielleicht war das mein Zauber“, sagte ihre beste Freundin Tilli.

Mira musste lachen.

Doch manchmal war ihr gar nicht zum Lachen zumute.

Eines Tages stand die große Prüfung bevor.

Jede Fee sollte einen Zauber vorführen.

Mira wollte nicht hingehen.

„Was, wenn alle lachen?“, fragte sie ihre Mutter.

„Dann lachen sie vielleicht“, sagte ihre Mutter. „Aber du wirst trotzdem dort sein.“

Mira dachte lange darüber nach.

Am nächsten Morgen ging sie zur Schule.

Doch kurz bevor die Prüfung beginnen sollte, geschah etwas Seltsames.

Der gesamte Feenwald wurde dunkel.

Nicht ein bisschen dunkel.

Sondern richtig dunkel.

Die Glühblumen gingen aus.

Die Laternen erloschen.

Selbst die Sterne über dem Wald schienen plötzlich verschwunden.

„Was ist passiert?“, rief jemand.

Die Feenkönigin flog herbei.

„Der Herzstern des Waldes ist erloschen.“

Alle Feen wurden still.

Der Herzstern war ein großer Kristall tief im Wald.

Solange er leuchtete, konnte der Feenwald seine Magie behalten.

„Wir müssen ihn wieder zum Leuchten bringen!“, sagte die Königin.

Die stärksten Zauberfeen machten sich sofort auf den Weg.

Mira und Tilli folgten ihnen.

Tief im Wald fanden sie den Herzstern.

Er lag in einer Höhle.

Doch der Eingang war von dichten Ranken versperrt.

„Kein Problem“, sagte eine Fee.

Sie hob ihren Zauberstab.

„Blumen, öffnet den Weg!“

Nichts.

Die Ranken bewegten sich nicht.

Eine andere Fee versuchte es.

Auch nichts.

Die Feen probierten Zauber um Zauber.

Doch die Dunkelheit war zu stark.

Mira schaute sich um.

Sie hörte etwas.

Ein leises Tropfen.

Tropf.

Tropf.

Tropf.

Sie ging dem Geräusch nach.

Hinter der Höhle entdeckte sie eine kleine Quelle.

Das Wasser floss in ein schmales Becken.

„Kommt mal!“, rief Mira.

Die anderen Feen kamen herbei.

„Was hast du gefunden?“

Mira zeigte auf das Wasser.

„Der Herzstern liegt direkt hinter dieser Wand.“

Sie sah genauer hin.

Unter den Ranken entdeckte sie kleine, leuchtende Kristalle.

„Vielleicht müssen wir gar nicht zaubern“, sagte sie.

Mira nahm einen kleinen Stein und legte ihn vorsichtig in die Quelle.

Das Wasser änderte seine Richtung.

Es floss nun direkt auf die Ranken zu.

Ganz langsam begannen diese sich zu bewegen.

Ein kleiner Spalt entstand.

„Es funktioniert!“, rief Tilli.

Die Feen halfen gemeinsam.

Sie zogen.

Schoben.

Drückten.

Und schließlich war der Weg frei.

Im Inneren der Höhle stand der Herzstern.

Doch er leuchtete nicht.

Mira trat näher.

Sie legte ihre Hand darauf.

„Bitte“, flüsterte sie.

Nichts.

Sie dachte nach.

Dann erinnerte sie sich an etwas.

Die Lehrerin hatte einmal gesagt:

„Magie entsteht nicht nur aus Zaubersprüchen.“

Mira schloss die Augen.

Sie dachte an ihre Freunde.

An ihre Mutter.

An die Blumen im Feenwald.

An all die schönen Dinge, die sie liebte.

Und plötzlich begann der Herzstern zu glimmen.

Ganz schwach.

Dann etwas heller.

Und heller.

Bis die ganze Höhle in warmes goldenes Licht getaucht war.

Draußen begann der Feenwald wieder zu leuchten.

Die Feen jubelten.

Die Königin kam zu Mira.

„Welchen Zauber hast du benutzt?“

Mira lächelte.

„Keinen.“

Die Königin lächelte zurück.

„Dann hast du vielleicht etwas noch Schwierigeres gelernt.“

Mira schaute sie fragend an.

„Du hast an dich selbst geglaubt, obwohl du dachtest, dass du es nicht kannst.“

Mira sah auf ihren Zauberstab.

Zum ersten Mal war es ihr egal, ob daraus Blumen oder Sterne kamen.

Sie hatte etwas entdeckt, das kein Zauberstab hervorbringen konnte.

Mut.

In dieser Nacht lag Mira in ihrem kleinen Bett unter einem Blätterdach.

Die Glühblumen leuchteten wieder.

Tilli lag neben ihr und schnarchte ganz leise.

Mira musste kichern.

Dann schloss sie die Augen.

Und während draußen die Sterne über dem Feenwald funkelten, dachte Mira:

Vielleicht ist die größte Magie manchmal einfach der Mut, man selbst zu sein.

Gute Nacht, Mira.

Gute Nacht.

Kleine Frage zum Einschlafen

Wenn du einen Zauber könntest, der nur etwas Gutes bewirkt – was würdest du zaubern?

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