Meer · ab 5 Jahren · 8 Minuten
Nala und das Geheimnis der Korallenbucht
Eine Gute-Nacht-Geschichte über Neugier, Mut und die Wunder des Meeres
Weit draußen im blauen Meer lag ein Königreich, das nur die Meerestiere kannten.
Dort lebten Meerjungfrauen, Seepferdchen, Schildkröten und unzählige bunte Fische.
Eine der neugierigsten Meerjungfrauen war Nala.
Nala wollte alles wissen.
Warum leuchten manche Fische?
Wie tief ist der tiefste Teil des Meeres?
Und warum verschwanden manche Sterne im Wasser, wenn die Sonne aufging?
Aber vor allem wollte Nala eines wissen:
Was lag hinter der Korallenbucht?
Die Erwachsenen sagten immer:
„Dort gibt es nichts zu sehen.“
Nala glaubte ihnen nicht.
Denn jeden Abend sah sie aus der Ferne ein geheimnisvolles blaues Leuchten.
Eines Tages schwamm Nala mit ihrem Freund Kiko, einem kleinen Delfin, an der Bucht vorbei.
Da sah sie es wieder.
Ein blaues Licht.
„Da!“, rief Nala.
Kiko tauchte aufgeregt unter.
„Ich sehe nichts!“
„Warte!“
Nala schwamm näher.
Das Leuchten kam aus einer Felsspalte.
„Wir sollten zurück“, sagte Kiko.
Nala nickte.
Doch dann hörten beide ein Geräusch.
Ein leises:
„Hilfe!“
Nala sah Kiko an.
„Hast du das gehört?“
Kiko nickte.
Gemeinsam schwammen sie zur Felsspalte.
Sie war schmal.
Sehr schmal.
Nala passte gerade hindurch.
Hinter der Felsspalte öffnete sich eine riesige Höhle.
Und Nala blieb vor Staunen stehen.
Überall leuchteten kleine blaue Pflanzen.
Die Wände glitzerten.
Und mitten in der Höhle lag eine riesige Muschel.
Doch vor der Muschel saß ein kleiner Oktopus.
Eine seiner Tentakeln hatte sich in einem Netz verfangen.
„Keine Angst“, sagte Nala.
Sie schwamm näher.
„Ich helfe dir.“
Vorsichtig zog sie an dem Netz.
Es bewegte sich nicht.
Kiko versuchte es ebenfalls.
Nichts.
Nala sah sich um.
Neben der Muschel lag ein scharfkantiger Stein.
Sie nahm ihn vorsichtig und begann, das Netz Stück für Stück zu lösen.
„Das dauert“, sagte Kiko.
„Dann dauert es eben.“
Nala arbeitete weiter.
Nach einer Weile war der Oktopus frei.
„Danke!“, sagte er.
„Wie heißt du?“, fragte Nala.
„Olli.“
Olli zeigte auf die große Muschel.
„Ich passe auf sie auf.“
„Was ist das?“
Olli lächelte.
„Das Herz der Korallenbucht.“
Nala sah die Muschel erstaunt an.
„Warum leuchtet sie?“
„Weil sie die Korallen wachsen lässt.“
Nala betrachtete die Höhle.
Jetzt verstand sie.
Die wunderschönen Korallen, die draußen in allen Farben leuchteten, bekamen ihr Licht aus dieser Höhle.
Doch plötzlich begann das Licht schwächer zu werden.
„Oh nein“, sagte Olli.
Nala schwamm näher.
Die Muschel war von Sand bedeckt.
„Sie kann nicht richtig leuchten.“
Nala blickte auf den Sand.
Dann auf die schmale Höhle.
Dann auf die großen Felsen darüber.
„Wir müssen den Sand wegmachen.“
Kiko nickte.
Gemeinsam begannen sie zu arbeiten.
Sie schwammen hin und her.
Schoben Sand zur Seite.
Holten kleine Steine weg.
Olli half mit seinen vielen Armen.
Es dauerte lange.
Sehr lange.
Doch schließlich war die Muschel wieder frei.
Einen Moment lang passierte gar nichts.
Dann begann sie zu leuchten.
Erst blau.
Dann türkis.
Dann in allen Farben des Regenbogens.
Die ganze Höhle strahlte.
Das Licht floss durch die Felsspalte hinaus.
Draußen begannen die Korallen zu leuchten.
Fische kamen aus allen Richtungen.
Die Meeresschildkröten schwammen herbei.
Und sogar die großen Wale sangen in der Ferne.
Nala sah sich um.
„Das ist wunderschön.“
Olli nickte.
„Du hast geholfen, unsere Bucht zu retten.“
Nala schüttelte den Kopf.
„Wir haben sie gerettet.“
Kiko grinste.
„Das klingt viel besser.“
Als Nala später nach Hause schwamm, war es bereits Abend.
Ihre Mutter wartete auf sie.
„Wo warst du?“
Nala erzählte ihr alles.
Ihre Mutter hörte aufmerksam zu.
Dann umarmte sie Nala.
„Ich bin froh, dass du geholfen hast.“
Nala lächelte.
„Ich hatte ein bisschen Angst.“
„Mutige Meerjungfrauen haben auch Angst“, sagte ihre Mutter.
„Sie schwimmen nur trotzdem weiter.“
In dieser Nacht lag Nala in ihrem Muschelbett.
Durch das Fenster sah sie das sanfte Leuchten der Korallenbucht.
Sie schloss die Augen.
Das Meer rauschte leise.
Die Fische schwammen langsam durch die Nacht.
Und irgendwo tief unter den Wellen leuchtete die große Muschel.
Nala lächelte.
Denn sie wusste jetzt:
Manchmal beginnt ein großes Abenteuer mit einer einzigen kleinen Frage.
Gute Nacht, Nala.
Gute Nacht.
Kleine Frage zum Einschlafen
Wenn du heute Nacht ins Meer tauchen könntest – was würdest du dort gerne entdecken?