Drachen · ab 6 Jahren · 8 Minuten
Taro und der Drache, der nicht kämpfen wollte
Ein Abenteuer über Mut, Freundschaft und die Kraft, einen anderen Weg zu wählen
Taro wollte ein Ritter werden.
Nicht irgendein Ritter.
Ein richtig mutiger Ritter.
Er übte jeden Morgen mit seinem Holzschwert.
„Zack!“
Hieb nach links.
„Zack!“
Hieb nach rechts.
Und manchmal fiel er dabei über seine eigenen Füße.
Aber Taro stand immer wieder auf.
Eines Tages ritt er mit seinem Pony durch den Wald.
Da hörte er ein Geräusch.
„Rrrr...“
Taro blieb stehen.
Noch einmal:
„Rrrrrrr!“
Hinter einem Felsen kam ein Drache hervor.
Taro zog sein Holzschwert.
„Ich bin Ritter Taro!“
Der Drache sah ihn an.
Dann nieste er.
„Hatschi!“
Eine kleine Rauchwolke kam aus seiner Nase.
Taro blinzelte.
„Du bist ja gar nicht gefährlich.“
„Bin ich auch nicht“, sagte der Drache.
Taro ließ sein Schwert sinken.
„Wie heißt du?“
„Piko.“
Piko sah traurig aus.
„Was ist los?“
„Alle anderen Drachen können Feuer spucken.“
Piko öffnete den Mund.
Ein winziges Rauchkringelchen kam heraus.
„Ich kann nur Rauch.“
Taro grinste.
„Das ist doch auch etwas.“
Piko schüttelte den Kopf.
„Ein richtiger Drache muss Feuer spucken.“
Da hörten sie plötzlich einen lauten Knall.
Vom Berg rollten Steine herunter.
„Was war das?“, fragte Taro.
Piko sah nach oben.
„Der alte Weg zum Dorf ist blockiert.“
Taro lief los.
„Dann müssen wir helfen.“
Am Weg lagen große Steine.
Taro versuchte, einen wegzuschieben.
Nichts.
Piko versuchte es.
Auch nichts.
„Wir brauchen einen Plan“, sagte Taro.
Piko schaute auf die Steine.
Dann auf seine Rauchwolken.
„Vielleicht kann mein Rauch helfen.“
Taro hatte eine Idee.
„Versuch es!“
Piko holte tief Luft.
„Pfffff!“
Eine dicke Rauchwolke flog über die Steine.
Taro konnte plötzlich sehen, dass zwischen zwei großen Felsen ein kleiner Spalt war.
„Da!“
Er steckte einen langen Ast hinein.
Piko half mit seinem Schwanz.
Gemeinsam drückten sie.
Der Stein bewegte sich.
Ein Stück.
Noch ein Stück.
Und schließlich rollte er den Hang hinunter.
Der Weg war wieder frei.
Die Menschen aus dem Dorf kamen angelaufen.
„Wer hat das geschafft?“
Taro zeigte auf Piko.
„Er!“
Piko wurde ganz rot.
„Aber ich kann doch gar kein Feuer spucken.“
Taro schüttelte den Kopf.
„Du musstest es auch gar nicht können.“
Piko lächelte.
Zum ersten Mal war er stolz auf seinen Rauch.
Am Abend saßen Taro und Piko auf einem Hügel.
Die Sonne ging unter.
„Wirst du wirklich Ritter?“, fragte Piko.
Taro nickte.
„Ja.“
„Und was ist deine besondere Fähigkeit?“
Taro dachte nach.
Dann sagte er:
„Vielleicht herauszufinden, wann man kämpfen muss.“
Piko grinste.
„Und wann nicht?“
„Genau.“
Die beiden sahen zu, wie der erste Stern am Himmel erschien.
Dann gähnte Taro.
„Ich glaube, ich muss schlafen.“
Piko nickte.
„Ich auch.“
Taro ging nach Hause.
Piko flog zurück zu seiner Höhle.
Und in dieser Nacht träumte Piko zum ersten Mal nicht davon, Feuer spucken zu können.
Er träumte davon, was er mit seinen Rauchwolken noch alles machen könnte.
Gute Nacht, Taro. Gute Nacht, Piko.
Gute Nacht.
Kleine Frage zum Einschlafen
Welche besondere Fähigkeit würdest du gerne haben – auch wenn sie ganz anders wäre als bei allen anderen?